GORDON MCDONALD IM INTERVIEW

Zu unserer Glaubenskonferenz im September erwarten wir Gordon Mcdonald als Referenten. In einem „Email-Gespräch“ beantwortet er Annekatrin Warnke ein paar interessierte Fragen.

Wo leben Sie und was machen Sie?

Meine Frau Gail und ich leben im Staat New Hampshire, nördlich von Boston. Vierzig Jahre lang war ich Pastor – insgesamt in vier Gemeinden. In den letzten Jahren habe ich meine Zeit ins Schreiben investiert und Vorträge auf geistlichen Leiterkonferenzen gehalten. Und ich bin gerne Mentor für junge geistliche Leiter.

Denken Sie, dass wir derzeit in besonders schlimmen oder verrückten Zeiten leben?

Die Welt steht an einem sehr beunruhigenden, einem gefährlichen Punkt ihrer Geschichte. Technologie, Wirtschaft und Klimawandel sind wahrscheinlich die drei wichtigsten großen Probleme unserer Zeit. Sie gehen mit einem geistlichen Niedergang einher, der es den Menschen schwer macht, weise, liebevoll und aufopferungsvoll zu handeln. Wir sind versucht, nach dem starken Führer zu rufen, der unsere Probleme zu lösen verspricht. Aber die Lösung beginnt mit einer veränderten Herzenshaltung: Nicht ein Nehmer zu sein, sondern ein Geber zu werden.

 

Haben Sie einen abschließenden Satz oder Rat für unsere Leser? Im Bezug auf den Titel unserer Glaubenskonferenz: Glauben leben in einer verrückten Zeit

Man sollte sich regelmäßig Zeit nehmen, um nachzudenken: Was ist die wichtigste Frage, der ich mich derzeit zu stellen habe? Und welche Antwort würde Jesus geben?

Können Sie sich an frühere, ähnlich schlimme oder verrückte Zeiten erinnern?

Für alle von uns war der Zweite Weltkrieg eine schlimme Zeit. In Amerika erinnern wir uns an den Koreakonflikt, der Tausende das Leben gekostet hat. Wir denken an die Ermordung von Präsident Kennedy und Dr. Martin Luther King. „Nine Eleven“ wird niemals vergessen werden. Und der Beinahe-Crash der Börse in 2008/2009 war beängstigend. Zusätzlich zu solchen Ereignissen leiden wir in fast allen Lebensbereichen unter rasanten Veränderungen. Fast jeden Tag müssen wir uns an Neues anpassen.

Können Christen in diesen Zeiten einen Unterschied machen? Kann unser Glaube die Welt verändern?

Würde ich diese Frage mit “nein” beantworten, müsste ich sofort mit fast allem aufhören, was ich jetzt tue. Aber ich glaube ganz fest, dass das Evangelium von Jesus die großartigste und mächtigste Idee unserer Menschheitsgeschichte ist. Dieses Evangelium ist kein System, keine Institution. Es ist der Weg zum Leben, der Weg, in Beziehung zu Gott und zu anderen zu treten, der Weg, das Universum zu verstehen.

Das Evangelium ist und gibt Frieden, Gnade und Sinn. Sprich darüber so, dass die Menschen es verstehen können und es wird Veränderung geben. Luther hat das verstanden. Ich denke, Bonhoeffer und Thielicke ebenfalls.

Haben Sie Beispiele aus dem eigenen Leben für uns? Wie es einen Unterschied ausmachte, dass Sie ihren Glauben lebten?

Ich möchte in der Beantwortung nicht zu persönlich werden. Aber ich nenne meine Ehe als eines der wichtigsten Lebensfelder, in denen mein Glaube einen großen Unterschied gemacht hat. An dem Tag, als ich Gail heiratete, las ich im 5. Kapitel des Epheserbriefs. Dort heißt es: „Ihr Männer, liebt eure Frauen so, wie Christus die Gemeinde geliebt hat. Er hat sein Leben für sie gegeben…“

Dieser eine Satz zeigte mir die Richtung für meine Liebe zu Gail. Weil Christus für mich starb, würde ich für Gail sterben wollen. Ich würde versuchen, alles was ich bin und habe, zu investieren, um Gail zu fördern: In ihrem Reifeprozess als Frau, als geistliche Leiterin, als Mutter und Ehefrau. Das ist wahrscheinlich eine meiner wichtigsten Entscheidungen, bei denen mein Glaube einen Unterschied gemacht hat: Daran zu arbeiten, der Ehemann zu werden, der ich sein soll.